Claudius Blume/ Juli 4, 2006/ 2006

Am Schützenfestmontag holten wir im Hinblick auf die bevorstehende Reise der Schützengesellschaft nach New York die Steubenparade nach Oerlinghausen auf den Rathausplatz. Star auf dem reichlich mit Stars and Stripes geschmückten Unzugswagen war Dieter Thomas Kuhn.

Neue Westfälische vom 4. Juli 2006:

Spritzige Versteigerung

Schützen-Bergwacht holt Steubenparade in die Stadt

Wenn die Menschen vor den Hühnern aufstehen, weibliche Cowboys schon um 6.30 Uhr lauthals singen und mit dem Lasso schwingen, wenn die Bürgermeisterin Rathausschlüssel und Regiment an Menschen mit langen Federn auf grünen Hüten übergibt, dann ist Schützenfest-Montag. Fröhlich sein, lautete die Devise gestern Morgen, und wieder hatten sich die Spaßtruppen einiges einfallen lassen.

Während der eine oder andere Schütze noch über wackelige Knie, Pochen in der Kopfgegend und plötzlichen, heftigen Pulsschlag klagte, startete die scheidende Königin Brigitte Schnepel als ehemalige Stewardess bereits mit ihren Throndamen und der eigens gegründeten „Queen-Line“ fröhlich durch. Bierkönig Ihno Zimmermann verteidigte unterdessen beim Ausschank gelben Gerstensaftes unbeirrt die letzte Würde und muss sich nun trotz allem nach einem neuen Schützen-Job umsehen.

Einen besonderen Job füllte nur Minuten später auf dem Rathausplatz Reni Fillies mit Bravour aus. Inmitten des kräftiges Hauches von Amerika, den die Mannen der Bergwacht durch die Zuschauerreihen wehen ließen, hielt sie als Außenministerin Condoleezza Rice am Arm des Amerikaners Max Scheller und des Tirolers Werner Kiechl huldvoll grüßend Einzug.

Weil eine große Schützenabordnung Mitte September an der amerikanischen Steubenparade teilnehmen wird, „und die anderen 22.000 in Oerlinghausen bleiben müssen, holen wir die Parade halt hierher“, verkündete „Big Boss“ Wolfgang Blume. Kaum gesagt, ließ die Bergwacht ein glitzerndes Feuerwerk gen sonnigen Himmel steigen und ergriff Dieter Thomas Kuhn alias Robin Grote im grellen 70er-Jahre-Outfit das Mikrophon.

„Ich war noch niemals in New York“, sang der amtierende Nienhagener Schützenkönig von der eigens hereinkutschierten und bunt dekorierten Anhänger-Bühne herunter. Wichtiges hatte in der Folge Gerd Hoffmann von der „Vümften“ zu verkünden. Sollen die alten Toiletten auf dem Schützenplatz doch demnächst „ohne Einschaltung der WC-Denkmalpflege“ Baumaßnahmen zum Opfer fallen. „Teile des Örtchens“ hatte die „Vümpfte“ kurzerhand „von Christo verhüllen“ und zur amerikanischen Versteigerung freigeben lassen.

Auf dem Rathausplatz ließ Auktionator Christian Coesfeld für reichlich „money, money, money“ den Hammer fallen. Glückliche neue Besitzerin des Herrentoiletten-Mittelteils ist seit gestern Bürgermeisterin Dr. Ursula Herbort, die sich nun wohl Gedanken über die künftige Nutzung des „gefährdeten Kulturgutes“ machen muss.