Claudius Blume/ Juli 2, 2007/ 2007

Eine äußerst verwahrloste Tönsbergwacht präsentierte sich auf dem Rathausplatz als Suchende in Sachen Unterkunft und Übungsstätte auf dem Tönsberg. Da die mitgebrachte mobile Behausung kein Dauerzustand sein kann, wurde am Schützenfestsamstag die TBW GmbH & Co. KGaA gegründet und Inhaberschuldverschreibungen zur Finanzierung des Baus einer autonom verwalteten Berghütte verkauft. Bedauerlicherweise musste die Firma bereits am Sonntag Insolvenz anmelden und das eingenommene Geld und die eigentlich garantierte Verzinsung von 2 Promille konnte leider nicht an die zahlreichen Investoren zurückgezahlt werden. Allerdings durfte sich das Unteroffizierskorps über eine kleine Spende aus der Konkursmasse für das nächste Kinderschützenfest freuen.

Neue Westfälische vom 3. Juli:

Karneval am Ballertöns

Die Bergwacht der Schützen stiftet letzte Kröten an die Unteroffiziere

Wackelige Knie, ein Pochen in der Kopfgegend, die Augen zu kleinen Schlitzen geformt und auf der Suche nach funktionierenden Stimmbändern: Trotz aller Nachwehen quälten sich die Oerlinghauser Schützen am Montagmorgen noch vor den Hühnern aus den Federn. Fröhlich sein, so lautete die Devise bereits um 6.30 Uhr, und wieder hatten sich die Spaßgruppen einiges einfallen lassen.

Lange bevor der erste Schuss auf den Adler abgegeben wurde, machten sich die „Thekentaucher“ mit einer eigens präparierten Papp-Uniform auf die Suche nach dem passenden Königs-Kopf. Bundestagsabgeordneter Dirk Becker gab als einer der ersten Aspiranten eine gute Figur ab. Am Ende aber sollte ein anderer jubeln (siehe oben).

Auch eine große Gruppe quickfideler Damen hatte die Fahndung nach einem Nachfolger für Klaus Büker ausgeschrieben. Treffsicher sollte der Ideal-Kandidat sein, Mut und Geld haben, eine Uniform und am besten auch noch einen Kompaniegarten – so jedenfalls war es auf großen Schildern zu lesen. Am Ende wurden die Schützenschwestern mit der gelben Krone auf dem Kopf fündig. Nur mit dem eigenen Gruppennamen hapert es noch. Montags-Wibbel-Weiber (MWW) mögen sie nicht mehr heißen. Wie wärs mit „Montags-Weiber-Weck-Kommando“?

Ihre Identität gefunden haben bereits vor 40 Jahren die tapferen Mannen der Tönsbergwacht. Dass die Gruppe mittlerweile obdachlos und zu einem „trostlosen Haufen“ verkommen ist, demonstrierten die heimatlosen Herren auf dem Rathausplatz. Zwar sei noch am Schützenfest-Samstag „eine GmbH & Co KG auf Aktien gegründet“ worden, wie Boss Wolfgang Blume die staunende Besucherschar wissen ließ. Trotz zwei Promille Verzinsung sei die aber leider schon am Sonntagabend in Konkurs gegangen.

Mit dem Restgeld durfte sich der Leiter des Unteroffizierscorps, Günter Tyzack, die Taschen vollstopfen. Und die Bergwacht, die ist demnächst statt im Berggasthof „Tönsberghöhe“ im Rettungsstollen unter dem Menkhauser Berg zu finden. „Für irgendwas muss der ja gut sein.

Seit 20 Jahren treibt die „Vümfte“ intensiv und unbeirrt bauliche Maßnahmen in der Bergstadt voran. In diesem Jahr nahmen sich die Aktivposten großherzig des einstigen Bergwacht-Domizils an. Ein Interessent sei gefunden, verkündete Kristian Hoffmann. Umgetauft in „Ballertöns V“, zerlegt und wieder aufgebaut in der wunderschönen Stadt Tönsberg in Norwegen solle die Neueröffnung im August gefeiert werden.

Den Throndamen wars egal. Sie frönten der Karnevalsleidenschaft ihrer Königin und ließen schunkelnd mit fröhlichem „Alaaf und Helau die Sau raus“. Beim scheidenden Hasen-Thron durfte natürlich auch dieser Spruch nicht fehlen: „Die Königin hat immer ein Sektchen im Glase und als König einen Hase.“ Einen Steffen als Mann hat die Bürgermeisterin aus dem sächsischen Augustusburg, Evelyn Jugelt. Beide feierten bereits am frühen Morgen mit.

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Bergwacht, hat sich die Schützen-Spaßtruppe MSKK (Mobile-Schützen-Katastrophen-Kolonne) am Montagnachmittag mit den Jubilaren auf dem Schützenplatz versammelt. Zum Geburtstag gab es eine mega-große Flache Hupka-Dupka. Die MSKK-Eigenkreation besteht aus Jägermeister und Wacholder. Die Flasche war so groß, dass selbst Bergwacht und MSKK sie nicht einmal gemeinsam geschafft haben sollen.

Anlässlich des Treffens von Bergwacht und MSSK wurde ein neuer Orden mit der Inschrift „TV“ vergeben. Die Abkürzung steht für „Tagesvollster“. Für die denkwürdige Auszeichnung kam unstrittig nur Jochen Schneider in Frage. Der Schützenbruder erklärte seinen Zustand damit, dass er am Morgen die britischen Soldaten vom 7. Transportregiment aus Bielefeld betreut habe, und die seien ausgesprochen trinkfest.

Sein Zustand, der gar nicht so schlimm gewesen sein soll, hinderte Schneider nicht daran, an der angestrebten Beförderung zum Major zu arbeiten. Den ganzen Montag über wurde er dabei beobachtet, wie er Peter Meier vom Schützenvorstand Bier brachte und sogar Geld zusteckte.