Claudius Blume/ Mai 1, 2009/ 2009

Die Tönsbergwacht hat nun einen Ehrenbürger Londons in ihren Reihen. Herzlichen Glückwunsch David! Hier der Artikel aus der Neuen Westfälischen vom 1. Mai 2009:

Fast ein Ritterschlag

Eine lange Freundschaft verhilft David Owen zu einer hohen Würde

Die Liste der Ehrenbürger Londons liest sich wie das who is who der Weltprominenz. Namhafte Politiker wie Winston Churchill, Helmut Kohl und Nelson Mandela wurde die Auszeichnung verliehen, aber auch Microsoft-Gründer Bill Gates und Tenor Luciano Pavarotti sind mit dieser Würde geehrt worden. Seit wenigen Tagen gehört auch David Owen aus Oerlinghausen zu dem erlesenen Kreis von Menschen, die sich „Freeman of the City of London“ nennen dürfen.

„Ich bin sehr stolz“, sagt Owen und schaut auf die längliche, in einen dunklen Holzrahmen eingefasste Urkunde, die er in seinen Händen hält. Es ist nicht lange her, dass dem 69-Jährigen die in alt-englischer Schrift verfasste Auszeichnung in der „Guildhall“, dem prunkvollen Rathaus der City of London, vom dortigen Beigeordneten überreicht erhielt. Einen kleinen Kreis seiner Familie und Bekannten hatten Owen und seine Frau Anneliese zu der Zeremonie eingeladen, bei der auch Allen Burlton dabei war.

Als Bürgermeister von Bishopstortshire hatte dieser die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an den seit Anfang der 8oer Jahre in Oerlinghausen lebenden Owen ins Rollen gebracht. „Als ich Allen wieder einmal besucht habe, lernte ich zwei Bekannte von ihm kennen“, erzählt Owen, der seit 49 Jahren mit Burlton befreundet ist. Den beiden ebenfalls in Amt und Würden stehenden Bekannten seines Freundes berichtete er von seiner Arbeit und seinen Verdiensten als ehemaliger Berufssoldat. In der britischen Armee gehörte Owen den „Royal Green Jackets“ an, einem echten Londoner Regiment, deren Chef die Queen persönlich war. Davon waren die beiden offenbar so angetan, dass sie Owen später zum Ehrenbürger vorschlugen.

Vorgeschlagen zu werden allein reichte aber nicht. Im November wurde Owen von einem Gremium nach London eingeladen, vor dem er sich vorstellen musste. „Außerdem wurde mein natürlich einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis eingesehen“, sagt Owen, der aber auch das Gremium mit seiner Lebensgeschichte und seiner frohen Art überzeugte. Anschließend durfte er sogar bei der Einführung des neuen „Lord Mayor“ (repräsentierender Bürgermeister) der City of London beiwohnen. „Eine seltsame Sache“, sagt Owen, denn bei der Zeremonie wurde eine Stunde lang kein einziges Wort gesprochen. Ganz und gar nicht sprachlos ging es auf seiner der Verleihung in der „Guildhall“ zu.

Dort bekam Owen, nachdem er einen Eid, die „Decleration of a Freeman“ abgelegt hatte und den Worten des Beigeordneten über die Geschichte der „Freeman of the City of London“ gelauscht hatte, die Urkunde überreicht. Gemeinsam wurde anschließend mit Freunden und der Familie gefeiert. Im Gegensatz zu den berühmten Ehrenbürgern aber ganz bodenständig in einem etwas besseren Pub.

Kühe durch London treiben

Die „Freedom of a City“, mit der man sich „Freeman of a City“ nennen darf, sprach ursprünglich eine Person von der Leibeigenschaft frei und wurde im 13. Jahrhundert in England zum ersten Mal verliehen. Bis 1835 war dieser Status absolut notwendig, um in London Handel treiben zu dürfen. Heute sind mit der „Freedom of a City“, die als Ehrenbürgerwürde verliehen wird, eigentlich keine besonderen Grundrechte oder Privilegien mehr verbunden. Es wird vielmehr ein soziales Engagement erwartet. Doch es gibt Ausnahmen: „Freeman of the City of London“ dürfe heutzutage als Überbleibsel vergangener Jahrhunderte immer noch Schafe und Kühe über die London-Bridge treiben, dürfen in der Öffentlichkeit ein Schwert tragen und werden von der Polizei in ein Taxi gesetzt und nach Hause eskortiert, wenn sie betrunken aufgefunden werden.