Claudius Blume/ Dezember 30, 2019/ 2019

Ob im Beruf, im Verein oder beim Schützenfest: Fortbildungen sind heutzutage immens wichtig, um stets auf dem neuesten Stand zu bleiben. Das gilt natürlich auch für die Männer der Tönsbergwacht. Damit die Elitejuxtruppe der Oerlinghauser Schützengesellschaft für die kommenden Einsätze am Schützenfestmontag auf dem Rathausplatz wie gewohnt bestens gewappnet ist, unterzogen sich die Bergwächter im Höhentrainingslager in der Lüneburger Heide einem echten Härtetest.

In diesem idyllischen, malerischen und menschenleeren Landstrich ist Bergwächter Jörg zuhause, der seit einigen Jahren eine feste Größe der Juxtruppe ist und jedes Jahr zum Schützenfest nach Oerlinghausen reist. Daher wurde Jörg gleich als Seminarleiter auserkoren, der das lehrreiche Fortbildungsprogramm zusammengestrickt hatte. Als Seminarhaus und Ausgangsstation hatte Jörg das von seiner Verwandtschaft geleitete Hotel-Restaurant „Zur Alten Fuhrmanns-Schänke“ gewählt. Nach einer anstrengenden Anreise samt mehrerer Zwischenstopps mit Kuhlmanns neustem Bus erreichte die westlippische Reisegruppe samt einiger Gäste – darunter Schützenkönig Sebastian Boer und „Mr. Helpup“ Walter Knörrich – schließlich das Ziel. Kaum hatte die Busfahrerin die Tür geöffnet, polterte erst einmal eine große Gestalt in den Bus hinein. „Tach Männers“, donnerte Oerlinghausens Schützenmajor Eike Kramer mit seiner zarten Stimme den verdutzt guckenden Bergwächtern entgegen. Einige dachten sofort daran, dass der Vorstand klammheimlich den Major als Dienstaufsicht entsendet hatte, um den Fortbildungsstand der Tönsbergwacht zu überwachen. Doch diejenigen konnten schnell beruhigt werden. Eike Kramer hatte sich zufällig am gleichen Wochenende zum heimeligen Entspannungstrip mit seiner Frau Nicole und einigen Bekannten ebenfalls in die Lüneburger Heide zurückgezogen und war zum Abendessen nun in besagtes Hotel-Restaurant eingekehrt. Dort in der Stube sitzend, hatte Eike mehrfach Bergwächter Jörg in der Einsatzuniform der Juxtruppe (Lederhose, grünes Hemd, rote Socken) über den Flur huschen sehen. Nachdem Nicole Kramer schon am Verstand ihres Gatten gezweifelt hatte, wollte der Major der Sache schließlich auf den Grund gehen und verließ die Gaststätte – genau in dem Moment, als der Bergwacht-Bus sein Ziel erreichte.

Dort stand zunächst einmal eine lockere Geländeerkundung zum Warmwerden auf dem Programm, ehe nach dem gemeinsamen Abendessen die erste Vorlesung gehalten wurde. Gastgeber Jörg dozierte dabei über die heilende Wirkung von flüssigen Kräutern. Eine ortsansässige Geheimwissenschaft, die in Fachkreisen offenbar 108er genannt wird, wobei sich der mitgereiste Gast aus einem Oerlinghauser Vorort Bestnoten verdiente.

Mit einem sportlichen Konditions- und Kardiotraining wurde der zweite Seminartag eingeleitet. Auf modernsten Drahteseln schickte Fortbildungsleiter Jörg die Bergwächter durch die anspruchsvolle Peripherie der Heide. Dabei gab es mehrere Hürden zu meistern – eine davon waren diverse, natürlich absichtlich eingebaute Pannen an den Drahteseln, wobei die Bergwächter ihr Geschick unter Beweis stellen mussten, um die Fahrräder wieder flott zu kriegen. Nach einer Zwischenstation an einem reißenden Flusslauf, stand schließlich Fahrzeugkunde der speziellen Art auf dem Programm: „Der Planwagen als Multifunktionstransportmittel“. Wer nach der anstrengenden Radtour nun mit etwas Ruhe gerechnet hatte, der wurde schnell eines Besseren gelehrt. Das langsame Gewackel des mit zwei PS ausgestatteten Fuhrwerks erforderte volle Konzentration, um stärkende Getränke zu öffnen und ohne Verschütten zum Mund zu führen. Schwierigkeitsstufe zwei gestaltete sich im Schmieren und Essen von Broten äußerst anspruchsvoll, während es temporeich durch Wald und Wiese ging.

Doch damit nicht genug. Als vorläufigen Höhepunkt der Bildungsreise bat Seminarleiter Jörg die Bergwächter mitten in der Heidelandschaft am sogenannten „Tiefen Tal“ zum Abseilen. Der fast schon klippenartige Hang sei im Winter ein beliebter Rodelort, berichtete Jörg. Natürlich trauten sich nur die ganz ganz Mutigen dort hinunter. Und in der Tat war das „Tiefe Tal“ ähnlich imposant wie die „Höh“ in Leopoldshöhe und nötigte den erfahrenen Bergwächtern einen ziemlichen Respekt ab, die sonst nur das Erklimmen des Tönsbergs gewohnt sind – dem Zentralmassiv des Teutoburger Waldes.

Erschöpft und kaputt erreichten die Bergwächter nach einer Durchschlageübung zu Fuß schließlich wieder ihr Seminarquartier. Letzter Programmpunkt des Tages war eine Denksportaufgabe, die den Tross in einen „gleich nebenan“ liegenden Nachbarort führte. „Gleich nebenan“ sind in der Sprache der Einheimischen übrigens fünf Kilometer… „Wie passen alle Besucher in die Musikkneipe, obwohl doppelt so viele Gäste zum Konzert kommen als Platz zur Verfügung steht?“ lautete die alles dominierende Frage des Abends. Die Bergwächter meisterten auch das mit Bravour und manch einer stellte am Ende fest, dass er offenbar schlanker ist als gedacht.

Die Rückreise am nächsten Tag wurde während der Busfahrt mit einem Vortrag kurzweilig gestaltet. Bergwächter Kaiser dozierte dabei über das Überleben in der Wildnis und gab seine Erkenntnisse als Hühnerflüsterer weiter.

In der Bergstadt angekommen, wurden im Jägerhaus noch die Seminarergebnisse mitgeteilt. Mit Abstand am besten abgeschnitten hatte Markus Höhne, der zurecht mit dem TV-Orden-Zertifikat belohnt wurde. Im Jägerhaus brachten die Mitglieder der Juxtruppe noch das Kunststück fertig, im Laufe der Zeit erst weniger, um dann wieder mehr Bergwächter zu werden. Eins ist aber sicher: so gut geschult werden die kommenden Schützenfestmontage für die Tönsbergwacht ein Klacks. Die Oerlinghauser dürfen sich schon jetzt freuen.