Claudius Blume/ Juli 4, 2011/ 2011

Am frühen Montagmorgen präsentierte die Bergwacht eine mobile Mensa auf dem Rathausplatz. Anschaulich wurden die Probleme einer Schulmensa für gleich zwei Schulen dargestellt und Lösungsansätze aufgezeigt. So kochte der extra angereiste Starkoch Horst Lichter eine Hühnersuppe, die den Hauptschülern genauso schlecht schmeckte wie den Schülern des Gymnasiums am Klärwerk. In praktischen Multifunktionstüten wurde die Suppe an einige Freiwillige verteilt.

 

Neue Westfälische vom 5. Juli 2011:

Licht am Ende des Tunnels

Bergwacht nimmt die Mensa aufs Korn

Oerlinghausen. So lustig und feucht-fröhlich das Schützenfest-Wochenende in der Bergstadt auch sein mag – am Montagmorgen heißt es: Antreten um 6.30 Uhr vor der Melmschen. Und der ein oder andere Schütze sah so aus, als ob er gleich durchgemacht hätte. Mit flotter Marschmusik ging es dann, dem Major Peter Meier folgend, auf den Rathausplatz.

„Unsere Stadt ist mindestens 975 Jahre alt und die Schützengesellschaft von 1590 der älteste Verein. Deshalb darf er für heute die Herrschaft über den Marktplatz übernehmen“, sagte Bürgermeisterin Dr. Ursula Herbort bei der Begrüßung.
Das ließ sich „die Vümpfte“ nicht zweimal sagen. Kristian Hoffmann, Vorsitzender der Schützengesellschaft, macht nobel gewandet in Zylinder und Gehrock den Moderator und schickt ein paar Leute durch einen von Geistern bewohnten Verwandlungstunnel. Zwei Skelette führten ihm die Delinquenten zu, darunter auch die Bürgermeisterin. „Was sie denn in 100 Jahren sein möchte“, fragt Hoffmann die Verwaltungschefin. Angesichts des dunklen Tunnels („Ich habe Angst im Dunklen.“) wünscht Herbort sich „immer Tageslicht“.
Der Verwandlungstunnel hatte dann auch teilweise ein Einsehen. Herbort kommt am Ende als Angela Merkel wieder heraus, hat aber zumindest Licht am Ende des Tunnels gesehen.
Die Bergwacht nimmt ein aktuelles politisches Thema aufs Korn. Diesmal bietet die Diskussion um die Mensa zahlreiche Steilvorlagen. Vorher aber outet Oberleutnant Wolfgang Blume „zwei Ignoranten des Schützenfestes“. „Da macht der Schulleiter des Gymnasiums lieber einen Abiball, statt zum Schützenball zu kommen, und ein Gastwirt veranstaltet ein eigenes Event . . .“, verkündet er kopfschüttelnd und augenzwinkernd.
Für die „mobile Mensa“ hat die Bergwacht einiges „aus der Realität übernommen“, wie die strikte Trennung der Schulformen in Gymnasiasten und Hauptschüler. Die Suppe wird dann in Tüten verteilt, die Bürgermeisterin muss kosten.

 

Lippe aktuell vom 6. Juli 2011:

Juxtruppen der Schützengesellschaft spießten aktuelle Vorgänge auf

Das Leben auf 100 Metern komprimiert

Oer­ling­hau­sen (k­d). Ein wah­res Gru­sel­ka­bi­nett, eine neue Mensa und ein Bum­mel ü­ber die Fla­nier­meile »­Mein Shop­ping Kopfstein-Ki­lo­me­ter« (MSKK) mög­lich mach­ten dies die Jux­trup­pen der Oer­ling­hau­ser Schüt­zen­ge­sell­schaft bei ih­ren Montagmor­gen-Späßen.

Ei­nen Blick in die Zu­kunft wagte die »Vümfte«, und her­aus kam ein wah­res Gru­sel­ka­bi­nett, wie Kris­tian Hoff­mann auf dem Rathaus­platz mein­te. Ma­jor Pe­ter Meier be­kann­te, noch ein­mal Oberst wer­den zu wol­len – er ver­wan­delte sich in den militärverliebten Großva­ter aus der Fern­seh­se­rie »Klim­bim«. Aus Bür­ger­meis­te­rin Dr. Ur­sula Her­b­ort wurde An­gela Mer­kel, Pastor Klaus Som­mer wech­selte die Fa­kul­tät und mu­tierte zum Papst. Und ein leib­haf­ti­ger Hase sehnte sich da­nach, ein ­Mensch und Po­li­zist« zu sein, was durch Klaus Büker um­ge­hend mög­lich wur­de. Zwei echte »Schüt­zen­fest-Igno­ran­ten« hatte die »Töns­berg­wacht« auf dem Kie­ker. »­Der eine ist Schul­lei­ter und legt den Abi-Ball aus­ge­rech­net auf den Schüt­zen­fest­sams­tag, der an­dere ist selbs­t­er­nann­ter Kul­tur­wirt und ver­an­stal­tet ein Kon­zer­t«, kri­ti­sierte Wolf­gang Blu­me. Auch die neue Mensa im Schul­zen­trum wurde aufs Korn ge­nom­men. »­Star­koch Horst Lich­ter« (Pe­ter Adam) be­rei­tet eine Hüh­ner­suppe zu, die zwar preis­wert, aber völ­lig un­ge­nieß­bar war, wie die Bür­ger­meis­te­rin fest­stel­len muss­te.

Was dem Düs­sel­dor­fer die »Kö«, ist dem Oer­ling­hau­ser die »Oe«, klärte Her­bert Heißen­berg das Pu­bli­kum bei der MSKK-Show im Fest­zelt auf. Hier finde man »auf nur 100 Me­tern das kom­pri­mierte Le­ben: von der Wiege bis zur Bahre – der Heb­amme bis zum Be­stat­tungs­in­sti­tut.« Bernd Ober­schelp und Wolf­gang Gro­ne­meyer ga­ben dem Lied »Ja, mir san mit­’m (Drei-) Radl da« einen ganz neuen Sinn, Hei­ner Lö­der­mann er­klärte ka­te­go­risch: »­Gib mir lie­ber den Mel­mer.«

Als Mit­tel ge­gen den Leer­stand wurde ein Des­sous­la­den für Her­ren vor­ge­schla­gen. Ralf Klocke, Lutz Gro­ne­meyer, Ste­fan Heißen­berg, An­dré Ro­ther, Rü­di­ger Zirbs und Da­niel Scholl­meyer prä­sen­tier­ten so­gleich ei­nige recht ge­wagte Mo­del­le. Fa­bian Kös­ter par­odierte Udo Jür­gens, Vol­ker Ner­lich sah Wolf­gang Pe­tri zum Ver­wech­seln ähn­lich, und Ste­fan Heißen­berg und Lutz Gro­ne­meyer ris­sen das Pu­bli­kum als »­Bar­bie und Ken« zu Lachstür­men hin­.

Als Sei­ten hieb auf die im­mer noch aus­ste­hende Fest­schrift zum Stadt­ju­biläum prä­sen­tierte die MSKK be­reits eine fer­tige Chro­nik. Zur Ü­ber­ra­schung von Bür­ger­meis­te­rin Dr. Ur­sula Her­b­ort ent­hielt das groß­for­ma­tige Werk al­ler­dings kei­nen ge­schicht­li­chen Rück­blick, son­dern Glück­wün­sche zu ih­rem (tatsäch­li­chen) 20. Hoch­zeits­tag. »­Scha­de, dass mein Mann heute nicht hier sein kann«, meinte sie. »Er muss ar­bei­ten.«